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Date: 2002-02-09

Neues Spielzeug fuer Big Brother


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"Mit der seit 1. Dezember 2001 gültigen Überwachungsverordnung gab es
diese Woche die ersten Probleme. Um einen Einbrecher zu fangen,
wurden von der Kärntner Gendarmerie nicht weniger als 200.000 Handy-
Telefonkontakte zurückverfolgt. Ein Gespräch mit Erich M."

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Oberösterreichische Nachrichten 2002.2.9

OÖN: Was besagt die neue Überwachungsverordnung?

Moechel: Bei der früheren Telefonüberwachung hat sich die Polizei in
die Telefonleitung hineingehängt und mitgehört. Dieses
Mitlauschmodell ist ein Auslaufmodell. Heute werden von Polizei und
Geheimdiensten weniger die Inhalte der Telefongespräche angepeilt,
sondern die Telefonkontakte. Wer mit wem, wo, wann, wie lange, wie
häufig telefoniert. Zu diesem Zweck schreibt die
Überwachungsverordnung eine Schnittstelle vor. Von dort kann sich die
Polizei mit einer Leitung die Daten abholen.

OÖN: Wo befinden sich die Schnittstellen?

M: Die Schnittstellen befinden sich in jedem Wählamt und bei den
Handynetz-Betreibern. Es geht jetzt nur noch darum, an diese
Zapfstellen ein Monitoring-Center anzuhängen. Das muss man sich
vorstellen als einen großen Rechner oder einen Rechner-Verbund, zu
dem die Daten hingespielt werden.

OÖN: Was kann so überwacht werden? Festnetz, Handy, SMS, E-Mail usw.?

M: Eigentlich alles,was mit Telefon zu tun hat, mit Ausnahme der
Internet-Technologien, die sind in der Überwachungsverordnung nur
halb drinnen. Die Überwachungsverordnung schließt nur Modem-Zugänge
ein, die ja wieder übers Telefonnetz gehen. Das heißt, man greift die
Daten im Zweifelsfalle dann auch am Wählamt.

OÖN: Das Telefon kann also identifiziert werden, aber nicht
derjenige, der es in Händen hält. Das ist doch eine Schwachstelle im
Überwachungssystem? Befragter: Stimmt. Mein Handy-Netzbetreiber kann
jetzt wissen, dass mein Handy hier ist, in dieser Funkzelle. Das
heißt nicht zwingend, dass ich auch dabei sein muss. Aber es ist
schon einigermaßen wahrscheinlich. Das trifft im Übrigen auch auf
Wertkartenhandys zu. Die sind durch die Gerätenummer eindeutig
indentifizierbar und sind bei weitem nicht so anonym, wie man glaubt.

OÖN: Wer hört ab, und warum?

M: Interesse daran haben natürlich Polizei und Strafverfolger, aber
auch Nachrichtendienste. Wir befinden uns auf dem Weg in die
Informationsgesellschaft. Wer die Schnittstellen kontrolliert, wo
diese sensiblen Daten durchkommen, wer die Verbindungsdaten einer
Person hat, hält quasi dessen Tagebuch in Händen.

OÖN: Inwieweit sind Brief- oder Postgeheimnis, sind bürgerliche
Grundfreiheiten durch diese Überwachungstechniken gefährdet?

M: Die Gefährdung der Bürgerrechte beginnt bei den Schnittstellen,
wenn dort keine unabhängige Instanz kontrolliert, was da passiert.

OÖN: Bisher musste ein Richter eine Abhöraktion genehmigen. Das ist
ja auch künftig der Fall. Oder?

M: Sicher. Die Verordung darf nicht das bürgerliche Recht
überschreiten. Aber: Niemand wird mehr kontrollieren können, was an
den Schnittstellen passiert. Es ist nicht mehr so, dass zwei Beamte
beim Telefoniebetreiber auftauchen und den richterlichen Befahl
vorzeigen. Da werden nur noch Schalter umgelegt. Es ist nirgends eine
Dokumentation vorgesehen.

OÖN: Das heißt, die Versuchung für Polizei und Geheimdienste, mehr
abzuhören als notwendig, ist künftig noch größer?

M: Die Versuchung wird enorm sein. Für die Dienste wird es die
einzige Möglichkeit sein, an alle Daten flächendeckend heranzukommen
und sie in einem Computer zu rastern. Diese Chancen haben sie jetzt
alle.

OÖN: Und es gibt niemanden, der die Abhörenden kontrolliert?

M: Die Kontrolle müsste vor Ort erfolgen. Es müsste wasserdicht
protokolliert werden, was über die Schnittstellen rüber geht. Das ist
zwar technisch möglich, aber in der Überwachungsverordnung steht kein
Wort drinnen.

OÖN: Die Befürworter der Überwachung argumentieren immer mit
Cyberkriminalität, Kinderpornografie und organisierter Kriminalität.
Was hält man dem entgegen?

M: Entgegenhalten kann man, dass diese Schnittstellen förmlich zum
Einbrechen in die Telefonie einladen. Beispiel Wirtschaftsspionage:
Verschiedene ausländische Dienste haben in ihren Statuten stehen,
dass ihr Zweck unter anderem der ist, das ökonomische Wohl des
eigenen Landes zu fördern. Die werden nicht viel Skrupel haben, bei
einem österreichischen Spezialunternehmen, das etwa gute Geschäfte
macht auf dem Maschinenbausektor, einmal zu schauen, mit welchen
Ländern, Personen das Unternehmen Kontakt hält.

OÖN: Was kann man jemandem raten, der nicht will, dass jemand seine
Kommunikationsdaten kennt?

M: Im normalen Leben ist es im Moment noch so, dass einem niemand mit
einem Raster nachfährt. Wer in leitender Funktion in der Industrie
tätig ist, wer Journalist ist oder Geheimhaltungspflichten hat, wie
Rechtsanwälte, Wirtschaftstreuhänder, Notare, muss man dringend
empfehlen, auf Auslandsreisen sein bekanntes Handy nicht mitzunehmen.
Die Dienste lauern in den internationalen Wählämter. Und: Tauschen
Sie Ihr Wertkartenhandy mit dem Handy Ihres Sohnes, das bringt die
Überwacher vollkommen durcheinander. Gebrauchte Handys kaufen und
schnell weitergeben. Lassen Sie die Handys ein bisschen im Kreis
herumwandern.

Langfassung des Interviews als Video

http:// www.nachrichten.at/bigbrother

Text
http://www.nachrichten.at/wochenende/wochenende.asp?ressort=Wochenend
e&id=261348
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edited by Harkank
published on: 2002-02-09
comments to office@quintessenz.at
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