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Die Argumentationsfalle der Präventivgesellschaft
Es ist ein Reflex der in unserer Gesellschaft in den letzten Jahren immer stärker zutage tritt: Nach jedem Schicksalsschlag fragt sich die Öffentlichkeit, wie man "das" hätte verhindern können. Während eine gezielte Schwachstellensuche (zb in technischen Systemen) nie verkehrt ist, entgleitet die Diskussion gerne in eine Präventionsutopie: Irgendwie hätte man alles verhindern oder zumindest vorhersehen können. Nur so sind Vorschläge wie jener von Sarkozy zu erklären, der bereits den Besuch bestimmter Websites unter Strafe stellen möchte.

Die Leiche des Serienmörders von Toulouse war noch nicht kalt, da war die Empörung bereits groß: Irgendwer wird dafür bezahlen müssen - irgendwie hätte man das ja verhindern können!

Hier beginnt die Argumentationsfalle der Präventivgesellschaft: Wer davon ausgeht, alles und jedes Verhindern zu können, wer absolute Sicherheit fordert, der schreit nach mehr Kontrolle und Überwachung. Der Kampf um die Verhinderung jeglicher Straftat ist ein Verlorener: Denn solange man dem Individuum auch nur ein bisschen Eigenständigkeit lässt kann es Schaden anrichten. Das Ende der Entwicklung ist also immer die absolute Kontrolle, die Auflösung des freien Willen und die Entmündigung Aller.

Eine Argumentation die unter dieser Prämisse geführt wird, determiniert bereits das Ergebnis - egal wie gut gemeint.

Stattdessen muss wieder akzeptiert werden, dass eben nicht alles Vorhersagbar, Kontrollierbar und Verhinderbar ist. Schuld ist nicht unbedingt und automatisch Irgendwer, der vielleicht hätte erahnen können, dass die Person potentiell auffällig werden könnte. Zuerst einmal ist der Täter der Täter. Dieser ist für sein Verhalten verantwortlich zu machen.

Bestimmte Bereiche werden sich immer dem Macht des Einzelnen aber auch des Staates oder jeder anderen Entität entziehen. In einigen ganz offensichtlichen Bereichen - zb dem Wetter - erstellen Meteorologen täglich Wettervorhersagen: Das gibt uns zumindest die Illusion der Kontrolle.

Wer nachhaltige Prävention will, muss sich die Frage nach den Ursachen von Radikalisierungen und Fehlentwicklungen bestimmter Personen stellen. Reflektionen dieser Art sind komplex, langwierig und potentiell schmerzhaft - entsprechend unbeliebt bei Politikern, ganz besonders im aktiven Wahlkampf.




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edited by Mac Gyver
published on: 2012-03-23
comments to office@quintessenz.at
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